Mittwoch, 20. Januar 2010

Das Ritual 2

Wir setzen also dort fort wo wir beim letzten Mal aufgehört haben. Kurz vor 18:30 waren wir. Dort wo das Baby nach dem Föhnen aus dem Bad stürmt, fröhlich an der Zahnbürste lutscht und mit einem Buch in der Hand zu Papa watschelt. Meistens lässt sie sich jetzt noch ein paar Tiere im Schnelldurchlauf zeigen während sie am Schoß sitzt. Sie findet das beim Lesen allgemein eine recht angenehme Haltung, wenn der Vorlesende (bzw. der Bilderlerklärende) im Schneidersitz am Boden hockt und sie sich draufflatzen kann. Nach ein paar Minuten wird jetzt normalerweise noch ein bisschen gespielt. Ein bisschen Babykeyboard, ein bisschen Auto, ein bisschen mit den Stofftieren kuscheln und Bussis geben. Von allem ein bisserl was eben. Der Zeiger wandert auf 18:40. Zeit zum Windelkübel leeren, damit der nicht über die Nacht vor sich hinmüffelt. "Magdalena, gemma Sackl wechseln?" Jetzt stürmt sie los in die Küche, wartet bis ich ein frisches Mistsackerl aus der Lade hab und dann rennt Magdalena üblicherweise der Mama nach in ihr Zimmer. Altes Sackl raus, neues rein, und wenns blöd kommt muss davor noch einmal gewickelt werden. Dann wieder retour ins Wohnzimmer. Das Ende des Abendrituals naht. Das tägliche Radiogedudel muss dem Fernseher weichen. Magdalena intressiert sich tendenziell eher weniger für den Flimmerkasten. Maximal Tiere oder das Sandmännchen am Bildschirm können sie ein Zeiterl begeisgtern. Also tun wir ihr manchmal den Gefallen und lassen für eine Minute das was ihr auch taugt. Meistens intressiert sie der Kasten aber kaum und sie spielt noch ein bisserl selbsttätig herum. Meistens die lieben Sachen. Stofftieren Bussis geben und danach knuddeln. Oder uns Bussis geben. Wobei sie, wenn ich frage ob ich auch mal ein bussi krieg, nur um mich zu ärgern: "NNNaa" sagt und lachend davonrennt. Im Nachhinein wars vielleicht keine besonders brilliante Idee ihr NA beizubringen. Das hab ich jetzt davon. 19 Uhr. Die geheiligten regionalen Nachrichten meines Frauchens beginnen. Die letzten Minuten des Spielens brechen an. Magdalena weiß recht gut, dass jetzt dann bald Ende ist. Wenn sie sehr müd ist, schnappt sie sich um 5 nach 7 meine Hand und zerrt mich in die Küche. Ansonsten: "Magdalena, gemma uns fertigmachen?" Spätestens dann stürmt sie voraus in die Küche. Ich muss mich jetzt am Küchenboden hinsetzen. Sie flatzt sich auf meinen Oberschenkel und nimmt noch ein paar kräftige Schluck aus der Bottle. Wenn sie nicht mehr mag springt sie auf und läuft zum Wickeltisch. Dort wird sie noch schnell gewickelt und dann in den Schlafsack geschnallt. Meistens macht ihr das riesen Spaß und sie lacht und kudert noch mal kräftig. Beim Aufheben ist sie schlafbereit und kuschelt sich zur Schulter. Je nachdem wie spät es jetzt ist bleibt die Zwergin noch ein bisserl bei mir oder kommt gleich zur Mama die den abschließenden Teil des Rituals erledigt. Jetzt gibts noch von Mama und Papa ein gute Nacht Bussi und dann gehts ins Zimmer. Nach ungefähr 5 Minuten tragen, Kuscheln und singen legt Mama die kleine Prinzessin ins Bett und verlässt den Raum. Das geht aber nur am Abend. Mittag ist das undenkbar. Da wär Aufruhr im Müttergenesungswerk...aber am Abend sieht sie das als normal an. Außerdem hat sie jetzt Zeit mit ihren Stofftieren ausgiebig zu Kuscheln. Gut meistens kämpft sie damit und zum überwiegenden Teil verliert sie die Kämpfe. Das erkennt man dann daran wenn der Stoffbär bei der letzten Kontrolle bevor Mama und Papa liegen gehen auf dem Kopf des Babys liegt, statt irgendwo daneben. Wenn das Gefecht ganz intensiv ausgetragen wurde ist auch nicht mehr viel vom Stofftiervolk im Bett sondern gleichmäßig über den ganzen Boden verteilt. Die Gefechte dauern im Übrigen längestens bis 9...da hört man dann schon mal ein motiviertes Uhhhhh...gefolgt von einem begeisterten Aaaahhhh...dazwischen mal ein krachen wenn sie gegen die Wand drischt ( ja sie steht mit dem Schlafsack auf und schleudert Gegenstände gegen die Zimmerwand ). Aber sie schreit dabei nicht, amüsiert sich hörbar und hat sich noch nicht dabei verletzt, also solls uns recht sein.
Ja und dann ist die großartige Geschichte auch schon am Ende. Klingt gar nicht so kompliziert oder? Hat zwar ein bisserl gedauert, bis wir das so durchgesetzt gehabt haben, aber es lohnt sich. Kein mehrstündiges Tragen, kein verzweifeltes gesuder vom Nachwuchs, stressfreie Abende. Das ist doch was oder? Und ja: Das funktioniert nicht nur einmal in der Woche. Das ist jeden Tag so. Seit einigen Monaten. Jetzt hoffen wir, dass das so bleibt. So oder so. Ich werde berichten.

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